Viller Spatzen

1980-1986
Pentaton








Hermann Delago bei den
Viller Spatzen

"Ich war knapp 20 Jahre alt und der jüngste "Spatz". Für mich war es die ideale Chance, um Bühnenerfahrung zu sammeln - und mir (während meines Musiktudiums) einen soliden finanziellen Grundstock für meine spätere musikalische Karriere zu schaffen", erzählt Delago von seiner Zeit bei den Viller Spatzen (1980 - 1986).

Die vom großen Heinz Lener (1974 allzufrüh verstorben) gegründeten Viller Spatzen waren in den 70/80er Jahren das Aushängeschild für anspruchsvolle Unterhaltungs- bzw. Volksmusik in Tirol. Mit bläserbetonter "volkstümlicher" Musik hatte Lener den "typischen Spatzen-Sound" geschaffen: Zwei Tenorhörner oder zwei Posaunen, und dazu diverse (Bravour)stücke für Trompete und Klarinette. Der instrumentale "Spatzen-Klang" konnte als Mischung von Slavko Avseniks Oberkrainern und Ernst Moschs Egerländer bezeichnet werden - und stand dennoch neben diesen beiden als ein eigenes Genre. Er war Stil-bildend, unverkennbar und wurde von zahlreichen anderen Ensembles (auch weit über Tirol hinaus) übernommen.

Das ist insofern auch zu betonen, als heute durch den hohen Bekanntheitsgrad von Ensembles wie den Kastelruthern und sonstigen "Spatzen" mit ihrer Schlager-artigen, doch eher seichten Musik die damalige Volksmusik-Legende Viller Spatzen im falschen Licht erscheinen könnte. "Ich wollte diesen so authentischen Stil Leners erhalten", betont Delago, der 1980 als "musikalischer Kopf", Trompeter, Arrangeur und Komponist in die Fußstapfen des verstorbenen Gründers trat - und damit bis 1986 die erfolgreichste Ära in der insgesamt 30-jährigen Geschichte der "Spatzen" aktiv begleitete.


Ca.500 Auftritte wurden in dieser Zeit absolviert und 5 LPs produziert
(zwei davon vergoldet); mehrmals wurden die Viller Spatzen in Deutschland und Österreich zu Fernsehsendungen (Lustige Musikanten, Musikantenstadl, etc.) eingeladen.

Dennoch drängt sich eine Frage auf: War das Musizieren bei einer Volksmusikband nicht so etwas wie ein ideologischer Crash-Kurs für jemanden wie Delago, dessen musikalische Wurzeln und Vorlieben bisher bei progressiver Rockmusik, der Hippie-Zeit und auch klassischer Ausbildung lagen? Seine Antwort: "Es war für mich nie schwierig gleichzeitig in verschiedenen Musikstilen tätig zu sein - solange es mir Spaß macht! Dazu fällt mir ein nettes Detail ein: Zur selben Zeit, als mich die Viller Spatzen holen wollten, bekam ich auch ein Angebot, als Keyboarder bei No Bros mitzuspielen, die damals eine der erfolgreichsten Rock-Bands in Österreich waren..." Es kam bekanntlich anders, und - zur Vielseitigkeit: Neben den Viller Spatzen spielte Delago damals ja auch noch im Brass-Ensemble Pentaton...

"Ohne die Erfahrung, die Routine und den finanziellen Grundstock, die ich mit den Viller Spatzen erwerben konnte, hätte ich später nie Projekte wie etwa die erfolgreiche Combo machen können", weiß Delago heute.




Pentaton

Am Konservatorium in Innsbruck wurde es damals, so um 1980, mit vorerst nicht allzu großer Begeisterung registriert, dass fünf seiner Musikstudenten - darunter Hermann Delago - sich derart für "moderne" oder gar jazzige Bläsermusik begeisterten, somit das Ensemble Pentaton gründeten und damit auch noch in den ehrwürdigen Hallen dieser klassischen Ausbildungsstätte proben wollten... Es war damals das allererste Brass-Quintett in Tirol und neben Prisma auch eines der ersten in ganz Österreich.

"Der Impuls zur Gründung kam durch meine erste USA-Reise im Jahr 1979", erzählt Delago, "als ich unter anderem in Portland (Oregon) beim Kulturfestival Art-Quake war. Die dortigen Auftritte einiger US Brass-Ensembles haben mich fasziniert. Zum ersten mal hörte ich eine absolut trendige Form der Blasmusik, die damals bei uns noch völlig unbekannt war..."

v.l.n.r.: Manfred Walch , Norbert Salvenmoser, Hermann Delago, Kurt Arnold, Kurt Reich

Zurück in der Heimat wurde also Pentaton gegründet: mit den Trompetern Kurt Reich und Hermann Delago, dem Hornisten Kurt Arnold sowie den Posaunisten Norbert Salvenmoser und Manfred Walch - nach dessen Tod kam Werner Goldschald zu Pentaton, zeitweise wirkte auch Ed Chansky aus den USA mit. Pentaton wurde in der Folge wegweisend, und löste einen kleinen Boom in der Gründung von zahlreichen weiteren Brass-Ensembles in Tirol aus - bis hin zu den heute bekannten Haller Stadtpfeifern.

Konzerte von Pentaton wurden zum alljährlichen Fixpunkt diverser Konzertreihen - etwa der renommierten Landecker Schlosskonzerte.
Es gab Konzerte im gesamten deutschsprachigen Raum, in Frankreich und auch in den USA, ebenso TV-Auftritte ("Die große Chance").
Delago komponierte für Pentaton auch Bläserquintette - die mimimalistische Fanfare "Frau Hitt und ihre Kinder"oder das jazzige "Akt Nackt Takt", die anläßlich diverser Vernissagen in den Galerien seiner Schwester Monika Lami zu Bildern von Künstlern wie Elmar Peintner oder August Stimpfl uraufgeführt wurden.

Die Geschichte von Pentaton dauerte bis 1986. Mit einem Konzert 2000 im Schloss Landeck und einem Auftritt 2001 in Wattens sowie anderen gelegentlichen Auftritten bescheren die fünf Musiker sich und ihrem Publikum nach 20 Jahren ein Revival ihrer jugendlichen Begeisterung für moderne Blechbäser-Kammermusik.
Meister des Tuten und Blasen